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Gedanken über die Kunst und Gesellschaft

Auf dieser Seite schreibe ich Gedanken nieder, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verschiedenen Themen
erscheinen und die meine persöhnlich Meinung wiederspiegeln. Die Themen sind nur grob geordnet und es
können auch Überschneidungen auftreten.
aktualisiert: 3.Dezember 2020
Kunst
Ich werde oft gefragt: "Was ist Kunst?" Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Der Begriff "Kunst" ist für mich der am schwierigsten zu deutende Begriff überhaupt, schwieriger noch als "Gott" oder "Gravitation". Der Mensch betreibt Kunst, um sein "Hiersein" zu transzendieren. Die Methoden sind sehr unterschiedlich. Der Versuch eines bildhaften Vergleichs: Kunst, das ist ein wütender Hurricane, der über eine Landschaft rast, erbarmungslos alles mit nach oben zieht, verformt, auseinanderreisst, umbenennt und wieder fallenlässt. Er selbst ist währenddessen unangreifbar.
Aktuelle Malerei
Die heutige Malerei macht mich größtenteils ratlos. Ich hörte z.B.von Peter Doig, der teuerste Maler gegenwärtig. Ich hatte bis dato noch nie von ihm gehört, und sah mir seine Bilder im Web an. Begeisterungsfrei, keine Tiefe. Konstruiertes Zeug, wie gemalt mit dem Computerprogramm: "Wie male ich neue, überraschende, noch nie gesehene Bilder von Booten auf dem Wasser"? Es reicht nicht, "Geheimnis" ins Bild hineinzumalen. Es ist einfach zu platt. Viele solcher Bilder schaffen es, mich anzulocken, weil sie auf den ersten Blick interessant erscheinen. Nach kurzer Zeit fühle ich mich aber gelangweilt, es bleibt nichts übrig. Ähnlich ergeht es mir bei Künstlern wie Daniel Richter oder Jonas Burgert.
Neue Formen
Meiner Ansicht nach ist es für heutige Künstler geradezu aussichtslos, etwas wirklich Neues zu entwickeln, neue Formen zu finden. Beim Versuch, dieses trotzdem zu tun, gerät vieles ins Monströse, Gewollte. Auch die Verweigerung jeglichen Stils ist kein Stil. Nichts gegen gute Absichten, aber gewollt und gekonnt sind keine Schwestern. Oder die Materialien eignen sich nicht auf Dauer. Eine Lösung wäre, gewusste Formen neu zu untersuchen, etwa in dem Geiste, wie Baselitz eigene Bilder noch einmal malt (wobei diese m.E. schlechter sind als die Ersteren).
Malerfürst
Keine andereren als Peter Paul Rubens, Michelangelo oder Sandro Botticelli verdienten diese besondere Bezeichnung, aber heute: welche Anmaßung, welche pure Behauptung. Es hört sich an wie das Pfeifen im Walde, Geräusche gegen die eigenen Ängste der Bedeutungslosigkeit. Wer nicht durch die Geschichte bedeutend wird, wird es auch nicht durch Selbstbeweihräucherung. Auf einem Schloss zu leben macht noch keinen Fürsten. Bei Vernissagen Hof zu halten steht nur Hysterikern gut zu Gesicht. Die Überschätzung der eigenen Person hinsichtlich schillernder Lebensentwürfe, weil man Künstler ist, ist schlichtweg bescheuert. Nichts gegen geeignete Räume, um optimal arbeiten zu können. Der Künstler unterscheidet sich von Philosophen, Wissenschaftlern, Klerikern oder Krankenschwestern nur durch seinen berufungsbedingt erforderlichen, ständigen Gebrauch der Kreativität, er ist deswegen kein Heiliger, aber sicher Schöpfer in seinem eigenen Kosmos. Er sieht Dinge, die andere nicht sehen. Das kann ein Segen oder auch ein Fluch sein.
Wo bleibt der Nobelpreis für Malerei?
Glaube
Die Fähigkeit des menschlichen Hirns, an etwas nicht Existentes oder eine Vorstellung, zu "glauben", war zwar unter evolutionären Gesichtspunkten überlebenswichtig (sonst hätte es diese Entwicklung nicht gegeben), ist aber wohl eine Fehlentwicklung hinsichtlich aktueller politischer und kultureller Probleme. Der religiöse Glaube an einen Gott führte daher alle Menschen zu allen Zeiten nie zu dem, was er sich erhoffte, sondern in die Irre, zu Unterdrückung und Mißbrauch und all den furchtbaren Gräueltaten, zu denen Menschen im Namen eines Gottes oder einer Idee fähig waren und sind. Ich bin der Meinung, daß die Hinwendung zur Wissenschaft, Kunst und Philosophie völlig ausreicht, um allen Menschen Gerechtigkeit und Glück zuteil werden zu lassen. Es ist mir unverständlich, wieso der Mensch immer noch sklavisch an Göttern oder Heilslehren hängt, um seinem Leben einen Sinn zu geben. Warum kann er es nicht aus sich heraus? Welche Armut. Freier Geist und freies Denken, es ist nötiger denn je!
Wahnsinn in der Kunst I
Auch wenn Goethe seinerzeit schon beklagte, dass das Kunstwerk immer den Künstler mitspiegelt, wie immer er auch "drauf" ist, ist dies auch heute und in aller Zukunft ein Thema. Meine Erfahrung mit Künstlern sagt mir, dass es sich genauso verhält. Nicht alle sind neurotisch oder Psychopaten, aber die Meisten. Man könnte einwenden, auch alle anderen Bevölkerungsteile haben den gleichen Anteil an Wahnsinnigen. Richtig. Sie werden auch immer mehr. Ich will aber auf einen wichtigen Aspekt hinaus, der mich zeitlebens ernsthaft beschäftigt hat. Es geht mir um die Frage, ob Wahnsinn ein Motor oder eine Motivation für Kreativität ist und ob Wirrsein unabdingbar präsent sein muss, um dem Maler die Hand zu führen. Wenn das so ist, ist diese Kunst kein Verdienst. Und dann bin auch ich kein guter Künstler. Ich habe noch alle Gurken im Glas und bedaure dies manchmal, angesichts der Erfolge beispielsweise eines Herrn Jonathan Meese (siehe nachfolgenden Text). Denn die Gabe eines Defekts hat wahrscheinlich soviel Dynamik, dass sie sich einfach Bahn brechen m u s s ! Ist das Kunstwerk, welches unter diesen Bedingungen entsteht, eine Reflexion des Irrsinns des Patienten oder ist es sein freier Wille zu echter Kunst und Transzendenz? Es könnte auch beides sein. Ich bin mir nicht sicher.
Die Beatles schufen "Sgt. Pepper..." unter Drogeneinfluss. Es gilt als eines der besten Popmusik-Alben aller Zeiten. Aber mit Hilfe des "Green Manalishi"? Siehe oben! Es muss doch möglich sein, Kraft reinen Geistes und Willens gute Kunst zu machen! Ich hab mir gestern einen Kasten Bier gekauft. Ich mach' schon mal die erste Flasche Weisswein auf und leg' Led Zeppelin 3 auf den Plattenteller...
Wahnsinn in der Kunst II
Ein schwieriger Fall ist Jonathan Meese. Hieran sieht man exemplarisch und in nie gekannter Weise, wenn Grenzen zwischen Kunst und Wahnsinn völlig aufhehoben sind. Denn das dies so ist, vermutet der normale Menschenverstand. Es wäre umgekehrt fatal, randalierende Insassen von Gummizellen per se als Künstler erkennen zu wollen. Anders als die Art-Brut Künstler in Gugging, deren Werke eine beklemmende Atmosphäre verströmen und tief sitzende Ängste und Wahnsinn ihrer Autoren überzeugend zeigen, erzeugen Meeses Aktionen, seien es Performances oder das Malen selbst, keine überzeugenden Ergebnisse, sondern nur Entropie. Da hätte ich einem Wahnsinnigen schon mehr zugetraut.
Als Kunst wird diese scheinbar nur da erkannt, wo sie sich im geeigneten Umfeld aufhält. Meeses Performances würden, vorgetragen in einer psychatrischen Klinik, den Anstaltsleiter veranlassen, Meese einzusperren. Wieder traut man sich nicht, einen offenbar völlig Gestörten als solchen zu bezeichnen. Die wohlwollende Kritik an Meeses Arbeit zeigt, das die Kunstkritik selber pawlowsche Reflexe entwickelt, wo immer sie menschliches Tun als Kunst erkennen will.
Der Kunstkritiker verweigert sich nicht, mit dem Hinweis auf Meeses Befindlichkeit. Vielmehr werden elegische Kritiken geschrieben, die man andernorts auch als prosaische Anamnesen interpretieren könnte. Dass Kunstkritik nötig und wichtig ist, sei unbestritten. Sie sollte sich aber auch selbst der Kritik aussetzen und einfach mal sagen wie das Kind im Märchen: "Der hat ja garnichts an". Es täte der Kunst und den Künstlern gut, nicht alles, was in ihren Reihen produziert wird, a priori als Kunst zu sehen. Denn dann wäre sowieso alles egal. Alles kann irgendwie gemacht und als Kunst deklariert werden. Das wäre eine Katastrophe für die Kunst.
Wahnsinn allgemein
In dem Maß, wie ich mich zurücklehne, mein Altern beobachte, meine Erfahrungen und Weisheit wachsen sehe gerät leider auch meine Philanthropie ins Wanken, schwindet mein naiver Glaube an das Gute im Menschen. Den alltäglichen Irrsinn betrachtend überfällt mich Verzweiflung. Ich habe immer mehr den Verdacht, daß die Welt von vollkommen Wahnsinnigen determiniert wurde und wird: Jesus, Mohammed, L. Ron Hubbard, Freud, Hitler, Pol Pot, Merkel, Erdogan u.s.w. Meine Freunde sagen, so schnell wirst du kein Misanthrop, das dauert. Ich hoffe, es wird am Ende nur zu einer Neujustierung meiner Weltsicht führen, eine dringend nötige...
Gute Maler
Beim Gang über die Kunstmessen Art-Cologne oder Art-Basel lande ich immer wieder bei meinen Favoriten: Dieter Krieg, Georg Baselitz, Walter Stöhrer, Raimund Girke und Per Kirkeby, oder Arnulf Rainer. Auch die Amerikaner begeistern mich immer noch. Im Moma (2009) in New York waren es z.B. Willem de Kooning, Sam Francis, Jackson Pollock und Cy Twombly. Neo Rauch finde ich mittlerweile auch Weltklasse. Für mich neu entdeckt hab ich den Klassiker Edward Munch.
Billard
Ich spielte zweimal die Woche Pool-Billard in Petion-Ville, im Hotel "La Reserve", einem wunderschönen Resort gleich um die Ecke. Meine Gegner sind im Moment zwei nicht zu unterschätzende, sehr gute Spieler. Fazit: Trotz meiner 30-jährigen Erfahrung als Pool-Billard-Spieler verliere ich meistens. Ich habe, so ist meine Erkenntnis, von Anfang an alles falsch gelernt: Billardregeln vom Hörensagen, blauen Dunst, Zigarettenasche und Bier auf dem Spieltisch, schlechte Queue-Führung u.s.w., spielen auf unterem Niveau ohne zu wissen, was hohes Niveau bedeutet. Das alles ist wie in Marmor gemeißelt und läßt sich nur mühsam wieder heraus üben. Hätte ich gleich von Anfang an alles richtig gelernt, wäre ich heute besser positioniert. Heute weiß ich, was gutes, richtiges Spiel bedeutet, ich übe und versuche, die neue, gute Art erneut in Stein zu meißeln. Präzision ist gefordert. Hieran knüpfen sich Überlegungen: Meine Prämisse als Küstler war und ist, den Blick auf die Unschärfen, das sich Auflösende zu richten. Im Alltag ist das hinderlich. Der alte Spagat zwischen Kunst und Leben...
Musik
Ich habe Pink Floyd für mich wiederentdeckt, im Moment sind es die Alben "Animals" und "Obscured By Clouds". Früher fand ich diese Alben eher langweilig, heute entdecke ich die Qualitäten. Besonders "Sheeps" (von "Animals" ) fasziniert mich. Ich habe ein gutes Gefühl beim Hören. Vor dem Hintergrund, dass hier in Haiti eine völlig andere Musik gehört wird, (Salsa, Compas, Merenge und 50 weitere Stile ) hatte ich immer die Vorstellung, dass das Lokalcolorit mir den einheimischen Musikgeschmack aufzwang, daß es sich nicht schickte, den Einheimischen etwas anderes vorzuspielen als deren eigene Musik. Etwas anderes zu hören schien mir Frevel. Passt Pink Floyd nach Haiti? Erst zweifelte ich. Aber dann der hiesigen Lärmkulisse, bestehend aus Myriaden laufender Generatoren (genannt "Delkos"), schalldämpferlosen LKW, PKW und Quads (vierrädrigen Motorrädern), kakophonischen Hundegebells, nächtlichen Schüssen und schreienden Wahsinnigen einen europäischen Lärm entgegenzusetzen ist sehr befriedigend! (Finden sich doch in der Musik Pink Floyds ähnliche akustische Phänomene). Darüber hinaus erzeugen die sphärischen Klänge die bekannten magischen Welten. Ich denke gerade darüber nach, wie wohl die ersten Alben von Pink Floyd hier klingen mögen...
Ähnlich geht es mir jetzt mit King Krimson, Capt'n Beefheart und der besten deutschen Band, die es je gab, Amon Düül. Auch diese Musik ist für mich eine Wiederentdeckung.
meine Arbeit
Die atemberaubende Schönheit und das abgrundtiefe Elend Haitis bildeten für fünf Jahre die Kulisse meines künstlerischen Schaffens. Beide Eigenschaften des Landes wirkten auf mich in gegensätzlichen Intervallen. So schön die Karibik auch ist...das Elend wirkte mächtiger auf mich. Ich hatte oft den Wunsch, ganz woanders zu sein. Aushalten konnte ich das nur durch Rückzug auf meine Insel der Kunst. Es entstand im Laufe der Zeit diese Situation: nach Betreten meines Ateliers versank ich in meine Welt. Aber dieses förderte auch eine neue Haltung und Sicherheit in der Arbeit. Wunderbare Dinge geschahen und geschehen: Ich träume sehr oft von meinen Bildern und die Träume zeigen mir Wege zu Lösungen für künstlerische Probleme in einer unglaublichen Fülle. In jedem Traum sehe ich neue Bilder, es ist, als ob ich eine Tür aufgestoßen habe und dahinter liegt ...ich kann es nicht beschreiben, aber ich bin jetzt da, wohin ich immer wollte: zu mir selbst. Das verleiht mir Flügel. Danke Haiti.
Literatur
Ein besonderer überwältigender Erkenntnisgewinn für mich war, in reifen Jahren Goethe für mich zu entdecken. Zwar habe ich in der Schule Goethe, Schiller und die deutschen Romantiker lesen müssen, habe diese aber weitestgehend ignoriert. Ich hatte als Jugendlicher andere Interessen und Probleme. Erst viel später schlug der Blitz ein beim Lesen von Goethe's "Prometheus". Es folgten dann Eckermann, und nach und nach Wichtiges vom großen Meister, ebenso einige Philosophen. Ich habe im Laufe meiner Malerjahre eher Sachbücher, kaum Prosa gelesen, abgesehen von E.A.Poe, ein wenig die Amerikanischen Transzendentalisten Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau. Auch Seneca und Marcus Aurelius tun ihr Übriges.
Aktuell höre ich viel über Lewis Carroll, absurde Texte wie "Jabberwocky". Scheint vielversprechend, da mal reinzuschauen.
Erderwärmung/Kunsterwärmung
Anlässlich der aktuellen politischen Gegebenheiten muss ich feststellen, dass ich jedes mal in eine gewisse Schockstarre verfalle, wenn ich Nachrichten über die klassischen Medien oder auch dem Internet sehe, wenn sie über das Klimathema berichten, Thunberg und all diese Figuren. Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Menschheit in den Kosmos der Dummheit begeben könnte, den Einstein schon früh vermutet hat, dass die Menschliche Dummheit grenzenlos sei. Ich kann jetzt nicht ins Detail gehen weil es mich aufregt. Was mich aber besorgt macht ist, dass die Kunst offenbar nichts dagegen setzt, dass die Kriterien der Kunst, für Wahrheit uns Klarheit zu sorgen, nicht sichtbar sind, sie eigentlich unter dem Tsunami der Idiotie zu versinken droht. Was wird aus all der guten Kunst, die in den letzten 100 Jahren produziert wurde? Wird sie bedeutungslos? Wird sie je beachtet werden, oder nur noch als Renditeobjekt fungieren?
Selbstbestimmung
Das entscheidende Element unserer abendländischen Kultur ist nicht unbedingt die Mitbestimmung, sondern die Selbstbestimmung. Die Idee, dass jeder Mensch ein individuelles Wesen darstellt, das sich vollkommen frei entfalten darf. Der Philosoph John Locke nannte diese Idee “Selfownership”. Das Eigentum an mir selbst. Ein Gedanke, der nicht einmal 300 Jahre alt ist und in der Aufklärung entstand: Du darfst alles tun, was andere als vollkommen idiotisch ansehen, solange du damit keinen schädigst. Oder wie Kant es etwas intellektueller formuliert hat: Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Kein Christ
Eine gute Welt braucht Wissen, Güte und Mut, sie braucht keine schmerzliche Sehnsucht nach der Vergangenheit, keine Fesselung der freien Intelligenz durch Worte, die vor langer Zeit von unwissenden Männern gesprochen wurden. Sie braucht einen furchtlosen Ausblick auf die Zukunft und eine freie Intelligenz.
Bertrand Russell in "Warum ich kein Christ bin"
Freiheit
Wir sind stolz auf unsere Demokratie, doch der Geist der Freiheit ist uns suspekt. In Wahrheit jedoch bedeutet die bloße Tatsache, dass der Wille des Volkes in einer freien Wahl zum Ausdruck kommt, nicht sehr viel. Im Grunde genommen bedeutet Demokratie lediglich, dass zehn Füchse und ein Hase darüber abstimmen können, was es zum Abendessen gibt. Freiheit dagegen bedeutet, wenn der Hase mit einer Schrotflinte die Wahl anfechten kann."
Fragen vom Kunsthaus Lempertz Köln an mich wegen Projekt II 2017
Was sind in Ihren Augen die wichtigsten Kunsthighlights 2017?

Die Dokumenta, obwohl ich mit dem Konzept und der Qualiät nicht einverstanden bin.
Das neue Barberini Museum in Potsdam und die Ausstellungen darin.

Welcher Weg führte Sie zur Kunst?
Gab es dabei für Sie ein besonderes Kunst-Schlüsselerlebnis?

Das frühe Erkennen des eigenen Talents, ererbt durch den Vater, der aus einer alten Glasdynastie stammt (Heckert Glas, Pertersdorf, Schlesien, Berlin) und dem daraus drängenden Wunsch, dem Talent zu folgen und Künstler zu werden, gegen den Widerstand der Mutter. Das generelle Interesse an der Malerei.

Gab es darüber hinaus Leitfiguren, Vorbilder oder Idole die einen Einfluss auf Ihre künstlerische Entwicklung hatten?

Während des Studiums entdeckte ich Willem de Kooning für mich als Leitfigur, der erheblichen Einfluß auf meine Malerei hatte, sowie der amerikanische Abstrakte Expressionismus überhaupt. Später dann interessierte mich Edvard Munch, Georg Baselitz, Dieter Krieg, Per Kirkeby. In meinen neuesten Arbeiten, in denen ich Malerei und Fotografie verbinde, war Arnulf Rainer ein Vorbild. Es galt, die Vorbilder zu überwinden und dies gelang mir in überzeugender Weise.

Was reizt Sie an der von Ihnen gewählten Technik und welche Vorteile bietet Sie Ihnen?

Das Idol de Kooning war nicht nur ein Vorbild, was den Farbauftrag betraf, sondern auch seine Inhalte wie die „Women“ Bilder. Mein Thema „das weibliche in der Kunst“ wurde durch de Kooning forciert und trug auch meine Vorstellung von Malerei und Inhalt. Die Abstraktion des Themas wurde irgendwann zu unscharf, obwohl meine abstrakte Malerei durchaus sinnlich ist. Da ich früher schon fotografierte, kam mir die Idee, beide Medien zu verbinden und die konkrete Figur über das Foto wieder hineinzuholen ins Bild, ihre Dynamik und Sinnlichkeit mit der Malerei zu überhöhen und auszureizen. Diese Erfindung kommt meinen Vorstellungen heute sehr nahe.

Was sind Ihre Intentionen? Wie gehen Sie vor, wenn Sie mit einem Werk beginnen?

Da ich nur ein Thema habe, entfällt das Suchen nach Sujets. Mein Interesse am Weiblichen beschränkt sich ja nicht nur in der Kunst sondern ist auch im Alltag vorhanden. Ich stehe diesem „Phänomen“ immer wieder mit Erstaunen und Bewunderung gegegnüber und finde immer wieder Impulse, es auszuweiten. Es besteht also eine fiebrige Latenz, zum Pinsel zu greifen und ein Werk zu beginnen. Dabei sind aber auch Dynamik, Kraft und Visionen entscheidend und müssen gegenwärtig sein, um sie ins Werk zu bringen. Im Idealfall sind sie es auch. Ich bearbeite ein geeignetes Foto am PC in der Weise, dass ich mir vorstelle, wie ich es später mit Farbe weiterführe. Meine Intention ist also ein ideales Bild des Weiblichen zu erschaffen, ein künstliches Paradies sozusagen, jenseits des alltäglich Unfertigen und Unzulänglichen der menschlichen Spezie.

Beschreiben Sie uns wie ein typischer Arbeitstag aussieht?

Nachdem der Vormittag mich mit alltäglichen Dingen in Beschlag genommen hat, fange ich gewöhnlich am frühen Nachmittag an, mich vor das noch unfertige Bild vom Vortag zu setzen und durch Anschauung und Überlegung die nächsten Schritte zu überdenken. Dabei ist es wichtig, im Gegensatz zu früheren Arbeiten, auf denen ich mit Farbe üppigst umgehen konnte, diese sparsam und gezielt zu platzieren, da sonst zuviel vom Foto übermalt wird, was irreversibel ist. Ein Glas Weißwein ist immer dabei. Meistens arbeite ich nur zwei bis drei Stunden, da mir das Malen ziemlich viel Energie abzieht.

Woran arbeiten Sie im Augenblick?

Üblicherweise ist auf einem Werk immer nur eine Figur. Aktuell überarbeite ich ein Foto, auf dem eine Sequenz einer sich überschlagenden Figur zu sehen ist. Es reizte mich, diese Sequenz mit malerischen Mitteln auszureizen.

Was erhoffen Sie sich für Ihre Zukunft? Gibt es Projekte oder Kooperationen, die Sie gerne realisieren möchten?

Eine delikate Frage! Ich würde gerne einen seriösen Galeristen finden, mit dem ich meine Arbeit vermarkten kann. Ich würde gerne meine Erfolge aus den 80er Jahren in Köln wieder aufleben sehen. Ein Projekt liegt vor mir: im Oktober 2017 gibt es eine Gruppenausstellung („Antipoden II“) mit meinen Kollegen Thomas Schindler und René Havekost in Braunschweig. Wir wollen uns als Absolventen der HBK in Braunschweig mit unseren aktuellen Werken nach langen Jahrzehnten der Entwicklung präsentieren. Weitere Projekte und Kooperationen sind nicht in Sicht, ich wäre aber prinzipiell nicht abgeneigt. Grundsätzlich bin ich Einzelkämpfer.

Sammeln Sie selber Kunst? Können Sie sich an das erste Kunstwerk erinnern, welches Sie erworben haben?

Ich selbst sammele keine Kunst.

Was würden Sie gerne jungen Kunstinteressierten und Sammlern mit auf den Weg geben?

Sich dem allgemeinen Trend der Oberflächlichkeit, des „gemalten Designs“, der Kunst als Renditeobjekt zu entziehen und sich auf Qualität zu besinnen.